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Wie der jetzige Moment mich veränderte

»Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick.
Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.«
Thich Nhat Hanh

Dr. Malte Thormählen, der Achtsamkeitsarzt, hat vorgeschlagen, dass es wohl eine gute Idee wäre, wenn einer meiner ersten Blogbeiträge hier davon handeln würde, wie die Achtsamkeit mir in Bezug auf meine Depression geholfen hat. Und dann meinte er, dass dieses Thema wohl sowieso mindestens drei Beiträge füllen würde. Und ich habe überlegt und bin überhaupt nicht einer Meinung mit ihm …

Es ist wahr, dass ich in den Jahren 1995 – 2007 mit Ausnahme eines Auslandsjahrs in Schottland, fast durchgehend dieses nagende depressive Gefühl in mir getragen habe, dieses Gefühl, das wie eine Schwingung in mir war, die sich auf alles einstimmte, was negativ, bedrohlich und hässlich war.

Es war als hätte ich einen Peilsender in mir, der Gefahren und Unzulänglichkeiten suchte und fand und der alles, was gut, schön und klar war, überlagerte.

Und natürlich habe ich versucht dagegen anzukämpfen. Etliche Psychologen und Psychiater, Therapien und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer haben Pflaster auf mein aufgezehrtes Herz geklebt. Sie alle waren freundlich zu mir und ich bin ihnen dankbar. Aber ich habe mich nie gesund gefühlt.

Und auch noch heute bin ich wohl das, was die Psychologie als „vulnerabel“ bezeichnet: besonders emotional verletzlich mit einem erhöhten Risiko eine psychische Störung zu entwickeln. Und ich möchte auch durchaus nicht behaupten, dass ich in den letzten 10 Jahren symptomfrei war. Immer wenn sich meine Lebensumstände veränderten, wenn ich umgezogen bin, wenn ich schwanger wurde, wenn ich ein Kind bekam, wenn ich ein Kind verlor, wenn ich dem Tod begegnete, dann lugte die Depression um die Ecke und starrte mir ins Gesicht.

Immer wenn ich mich an neue Gegebenheiten anpassen musste, dann bin ich auf dem Rand des Abgrunds balanciert.

Manchmal hing ein Fuß im Abgrund und manchmal hatte ich das Gefühl, schon abgerutscht zu sein und mich nur noch mit einer Hand am Felsen zu halten.

Aber heute weiß ich, diese belastende und lähmende Schwingung in mir wird wieder gehen. Ich weiß, der Peilsender schaltet sich wieder ab. Warum ist das so? Was hat dazu geführt, dass diese Schwingung wieder verschwindet, dass ich wieder Energie bekomme und das Schöne nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch im Herzen fühlen kann? Die Antwort ist:

Es ist die Praxis von dem, was die Menschen verschiedenster Strömungen seit Myriaden von Jahren üben: Das Zurückkehren in den jetzigen Moment.

Und das ist so einfach und so magisch. Und dann kann ich eben keine mindestens drei Beiträge zu diesem Thema schreiben, sondern nur den einen, in dem steht:

Das Zurückkehren in den jetzigen Moment hat mir mein Leben zurückgeschenkt.

Aber dann stellt sich natürlich die Frage, wie ich das aber versuche zu bewerkstelligen und was mir dabei hilft und was für Schwierigkeiten damit einhergehen und welche Hindernisse es gibt und wie ich mit diesen umgehe. Und deswegen ist es gut, dass es dieses Blog gibt, in dem wir darüber schreiben können, wie Achtsamkeit bei der Bewältigung von einer Depression hilft und dann sind es eben doch diese weit mehr als drei Beiträge und der Achtsamkeitsarzt hatte mal wieder und wie immer Recht.

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