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Is everything you think you know about depression wrong? – Vielen Dank Johann Hari für diesen Artikel

Als ich 20 Jahre alt war haben mir zwei verschiedene freundliche Psychiaterinnen verschiedene Antidepressiva verschrieben, die überhaupt nicht geholfen haben. Man erklärte mir, dass eine Depression zurückzuführen sei auf ein Botenstoff-Ungleichgewicht im Gehirn, dass einfach Serotonin in meinem Gehirn fehle und man hier mit einem Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sehr gut ansetzen könnte. Mit diesem Wissen im Hinterkopf fühlte ich mich irgendwie als schwarzes Schaf in der Gemeinschaft der Depressiven, denn der chemische Ausgleich in meinem Gehirn schien nicht zustande zu kommen. Ich fühlte mich weiterhin depressiv, obwohl ich die Tabletten jeden Tag schluckte. Ich verzichtete dann für die nächsten Jahre auf die Medikamente. Und ungefähr zehn Jahre später verschrieb mir wieder ein freundlicher Psychiater verschieden Antidepressiva, die entweder gar nichts bewirkten oder deren Nebenwirkungen so massiv waren, dass ich nicht das Gefühl hatte, das alltägliche Leben meistern zu können. Ich habe das Tablettenschlucken dann auch wieder aufgeben und mich weiterhin (einmal mehr) als seltsam betrachtet, weil das bei mir (mal wieder) nicht funktionierte, was für alle anderen scheinbar hilfreich war. Als ich jetzt auf den Artikel von Johann Hari im Guardian stieß, kam endlich Licht in diese Geschichte meiner Vergangenheit: 65 – 80 % der Menschen, die Antidepressiva einnehmen, werden innerhalb eines Jahres wieder depressiv. Die vorzügliche Wirkung von Antidepressiva in der öffentlichen Wahrnehmung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Pharmaindustrie nur solche Studien öffentlich machte, die das bewiesen, was sie bewiesen haben wollte. Johann Hari kommt in seinen Nachforschungen zu dem Schluss, dass die epidemieartige  Ausbreitung von Depression und Ängsten darauf zurückzuführen ist, dass wir in unserer Gesellschaft die Verbindung zu dem, was wir wirklich brauchen, verloren haben. Und das, was wir wirklich brauchen, ist die Erfüllung grundlegender psychologischen Bedürfnisse, nämlich das Gefühl der Zugehörigkeit, der Wertschätzung, das Gefühl etwas gut zu können und das Gefühl, eine sichere Zukunft zu haben. Er rät dazu, die tiefe Verbindung zu den Dingen, die im Leben wirklich zählen, wieder zu finden. Ich glaube, hierin liegt sehr viel Wahrheit und ich glaube, dass der Weg der Achtsamkeit helfen kann zu erkennen, was wir wirklich brauchen und helfen kann, den Weg in ein erfülltes Leben zu gehen.

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