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Der Seelenmuskel und meine unmystischen Schmerzen im unteren Rücken

Hier schreibt Constanze Basche-Cariers

Letztes Jahr im Herbst: Eine gute alte Freundin, mit der ich vor etlichen Jahren in Wales studiert habe, heiratet. In Newcastle. Ich sitze viel an Flughäfen und im Flugzeug herum. Auf der Hochzeit trage ich – für mich sehr ungewohnt – hohe Schuhe. Für die Gruppenfotos stehen wir ziemlich lange im britischen Herbstwind. Als ich nach Hause komme, weiß ich mit einem Schlag, wie sich Schmerzen im unteren Rücken anfühlen. Ich kann am buchstäblichen eigenen Leibe erfahren, wie sich mancher Yogateilnehmer fühlt: Wenn ich mich vorbeuge, geht das nur unter erheblichem Ächzen.

Mein unterer Rücken fühlte sich an wie ein Brett, wie ein morsches altes Brett. Ich hatte das Gefühl, es ging bergab mit mir …

Als Yogalehrerin dachte ich mir, mir helfen zu können: Vorbeugen, Rückbeugen, Seitbeugen, Mobilisation, Hüftbeuger, Bauchmuskeln – gerade, schräge – Transversus. Es wurde ein wenig besser. Wenn ich meinen unteren Rücken auf einer Beweglichkeit-Skala einstufen sollte, bei der 10 absolute gute Beweglichkeit wäre und 0 absolute Steifheit, dann wäre ich vielleicht bei 2. Mit den Yogaübungen bewegte ich mich langsam in Richtung 3. An manchen Tagen ging es nach der Yogapraxis langsam in Richtung 4.

Dann erinnerte ich mich an einen Workshop, den ich vor einiger Zeit bei einer befreundeten Yogalehrerin in Köln besucht hatte: Psoas-Entspannung durch Zittern.

Der Psoas (eigentlich Musculus papas major) oft übersetzt mit Hüftbeuger hat bei den Yogis eine fast mystische Bedeutung. Wenn ich „Psoas und Yoga“ bei Goggle eingebe, dann finde ich Ausdrücke wie „Muskel der Seele“ und Sätze wie „Wenn man Iliopsoas langsam ausspricht, hat man fast den Eindruck, man spricht einen geheimnisvollen Zauberspruch.“ Für die Yogis (und wohl nicht nur für die) ist der Psoas der Bereich, in dem Stress oder Traumata gespeichert werden.

Ich muss zugeben, dass ich empfänglich bin für das Mystische und ich die Idee faszinierten finde, dass es vor allem einen Muskel bzw. eine Muskelgruppe gibt, die unserer Traumata speichert. Aber ich glaube inzwischen eigentlich nur noch meinen eigenen Erfahrungen. Und über die möchte ich jetzt berichten:

In dem besagten Yoga-Workshop wurden verschiedene Körperübungen angeleitet, die darauf abzielen, den Hüftbeuger zu ermüden, so dass die Hemmung, die wir alle im Laufe unserer Lebens erworben haben, Stress aus unserem System herauszufiltern, ausgeschaltet wird. Dann legen wir uns in die Rückenlage auf die Matte, bringen die Fußsohlen zueinander und heben die Knie einige Zentimeter an. Recht schnell spüre ich, dass meine Beine anfangen zu zittern. Und das Zittern breitet sich aus, mein Kopf schüttelt sich sanft und irgendwie meine Arme auch. Es ist ein Zittern, das von alleine passiert, ich jedoch zu jeder Zeit willentlich beenden kann. Am Ende der Yoga-Stunde kommt die befreundetet Lehrerin zu mir: „Also bei dir war wohl einiges los!“
„Äh, achso ja. Ist das nicht normal? Hat es bei den anderen nicht so stark gezittert?“
Anscheinend wackeln bei den meisten zunächst nur die Beine.

Nach der Yogastunde fühlte ich mich auf eine sehr interessante und warme Art entspannt, vor allem im Bereich meiner Körpermitte.

An dieses Zittern habe ich mich im Herbst letzten Jahres erinnert. Ich lege mich im Wohnzimmer auf den Boden (mit Ächzen und ziemlich unelegant ist das irgendwie möglich), lasse die Knie auseinander gehen, bringe die Fußflächen aneinander, hebe dann die Knie wieder einige Zentimeter an. Meine Beine beginnen zu zittern. Mal wieder setzt sich das Zittern in anderer Körperregionen fort. Mein Körper zittert 10 Minuten, vielleicht 15 Minuten. Ich stehe auf. Der untere Rücken fühlt sich besser an, viel besser. Im Lauf des Tages merke ich, wie ich immer beweglicher werde. Auf der Skala bin ich jetzt bei einer 9!

Fazit: ziemlich wundervoll und tatsächlich irgendwie ein bisschen mystisch!

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