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Der Seelenmuskel Teil II – Heilung des Trauma?

Die Erfahrung mit meinem Seelenmuskel oder Psoas, die ich in meinem letzten Blog-Artikel beschreibe, hat mich nicht so schnell wieder losgelassen. 

Anscheinend können tief-sitzende Verspannungen im Körper ohne weiteres und schlagartig gelöst werden und zwar durch die Funktion des Zitterns. Wie kann so etwas sein? Wieso kennen wir diese Funktion des Körpers so wenig? Wieso fühlt sich das Zittern, das irgendwie von alleine passiert und doch willentlich gestoppt werden kann, so „strange“ an? Gibt es ein grundsätzliches Missverständnis diesem Zittern gegenüber? Denn normalerweise betrachten wir ein Zittern der Muskulatur entweder als Schwäche des Muskels, als Symptom von Angst oder als Reaktion des Körpers auf Kälte als Strategie den Körper zu wärmen…

All diese Fragen ließen mich nicht mehr los und ich begann mich eingehender mit dem neuerogenes Zittern zu beschäftigen.

In meinem Fall hatte ich hartnäckige Rückenschmerzen mit dem Zittern heilen können, wie ich aber schon aus dem Workshop der befreundeten Yogalehrerin wusste, ging es dem Begründer dieser Methode, David Berceli, eigentlich nicht um körperliche Symptome wie Rückenschmerzen, sondern um seelischen Stress: Traumata.

David Berceli ist amerikanischer Psychotherapeut. Er entwickelte die Methode der Trauma- und Stressbewältigung durch neurogeneses Zittern speziell für die Behandlung von Massentraumata. Er arbeitet beispielsweise mit großen Gruppen kriegs-traumatisierter Menschen. In einem Interview mit der Zeitschrift PiD (Zeitschrift für Psychotherapie) erläutert er seinen Ansatz wie folgt:

„Über Trauma und seine Auswirkungen auf den Körper muss man zwei sehr wichtige Prinzipien wissen: Erstens, Trauma lädt den Körper mit extremer Erregung auf, die durch einen Anstieg chemischer Stoffe im Blutkreislauf bewirkt wird. Das Ziel ist eine unmittelbare und spontane Schutzreaktion. Die Chemikalien aktivieren ein sehr spezielles Muskelsystem, das von den Beinen bis zum Kiefer reicht.

Dieses Muster veranlasst den Menschen, während eines traumatischen Ereignisses zu kämpfen, zu flüchten oder zu erstarren. Im Falle einer erfolgreichen Handlung, d. h. wenn die Muskeln die biochemische Reaktion vollständig entladen haben, kehrt der Mensch zu einem normalen Zustand der Ruhe und Genesung zurück. Aber wenn die Entladung verhindert wird und deshalb erfolglos bleibt, werden posttraumatische Belastungsreaktionen erzeugt.

Ohne diese Entladung bleibt der Körper in einem Kreislauf von zwanghafter Reinszenierung (Wiederbelebung) gefangen.

Die TRE Methode (TRE ± Trauma Releasing Exercises) aktiviert einfach nur die Mechanismen der Entladung und erlaubt damit dem Körper, die Spannungen durch seinen eigenen eigenen natürlichen Prozess zu lösen.“

Ich begann täglich zu zittern. Jeden Tag nahm ich mir ungefähr 10 Minuten Zeit. Wenn ich ehrlich bin, kamen mir diese 10 Minuten oft mindestens doppelt so lange vor. Es fühlte sich nach harter Arbeit an und war ungefähr so anstrengend wie mit einem vollgepackten Rucksack einen steilen Berg hoch zu rennen. Allerdings hörte ich nach vielleicht 10 Tagen wieder mit der täglichen Übung auf, denn ich bekam Schmerzen in den Beinen. Schmerzen, die sich so ähnlich anfühlten wie damals die Wachstumsschmerzen und die wahrscheinlich von den Faszien herrührten. Von einer Yogateilnehmerin erfuhr ich, dass es in Bonn eine Praxis gibt, in der eine Yogalehrerin regelmäßig das neurogene Zittern anbietet. Hier nahm ich noch einmal an einen solchen Kurs teil.

Die Teilnehmer dort wollten von der Kursleiterin wissen, ob sie nach nun jahrelanger Praxis der Methode alle Traumata aus ihrem Körper hätte lösen können. Auf diese Frage lächelte sie ein wenig und schüttelte sanft den Kopf, aber, so sagte sie, es gäbe unzählige Situationen im Alltag, die sie noch vor ein paar Jahren in Stress versetzt hätte und die sie jetzt einfach nicht mehr kriegten.

Yoga Bhajan, der Begründer des heutigen Kundalini Yogas, wusste, wie ich erfahren haben, das ganze anscheinend schon länger. Denn im Kundalini gibt es ähnliche Übungen.

Ich zittere wieder, auch wenn es sich für mich anstrengend anfühlt und ich werde beobachten, was mit mir passiert…

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