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Gedanken sind keine Tatsachen – über „the Work“ von Byron Katie

Ich weiß nicht mehr, wann ich auf Byron Katie aufmerksam geworden bin. Ich weiß auch nicht, wo ich das erste Mal von ihr gehört habe. Ihre Methode, die eigenen Gedanken zu hinterfragen, begleitet mich aber seit vielen Jahren…

Wie oft ist es in Eurem Leben schon passiert, dass Euch im Nachhinein aufgefallen ist, dass ihr eine Situation falsch interpretiert habt? Dass ihr offensichtlich falsches über eine Situation gedacht habt? Zu einem späteren Zeitpunkt ist es Euch dann wie Schuppen von den Augen gefallen? Mir ist das schon häufig passiert. In diesen Situationen wird einem mit einem Mal bewusst, dass man Gedanken Glauben geschenkt hat, die offensichtlich nicht stimmten. Und diese Erkenntnis tut gut, plötzlich ist ein Geschmack von Freiheit da. 

Nun, Byron Katie sagt, dass in jeder Situation, in der wir Leid empfinden, genau das passiert ist: Wir glauben Gedankengeschichten, die nicht wahr sind. Und durch ihre Methode, unsere Gedankengeschichten zu hinterfragen, wird es möglich, uns dieser Tatsache bewusst zu werden und uns zu befreien. Das klingt schön und irgendwie leicht, aber: es ist Arbeit. Ihre Methode des Hinterfragens nennt sie: The Work (die Arbeit). 

Der Mensch ist ein Geschichten erzählendes Tier. Wenn wir ehrlich sind, dann besteht unser ganzes Leben aus Geschichten, unsere ganze Welt baut darauf auf. Wir lieben Geschichten, wir sind identifiziert mit unseren Geschichten. Und viele dieser Geschichten tun weh. Die Geschichte, wie ich verlassen worden bin. Die Geschichte, wie ich betrogen worden bin. Die Geschichte, wie ich mal wieder keinen Erfolg hatte. Die Geschichte, wie alle anderen irgendwie unzulänglich sind. Die Geschichte, wie das Leben grausam und irgendwie gar nicht zu leben ist. All diese Geschichten, sind sie überhaupt wahr? 

Die Methode von Byron Katie lädt ein, unvoreingenommen zu hinterfragen, ob es tatsächlich stimmt, was wir uns erzählen. Mit vier einfachen Fragen:

  • Ist das wahr?
  • Kannst du dir 100% sicher sein, dass es wahr ist?
  • Wie fühlst du dich mit diesem Gedanken?
  • Wie würdest du dich fühlen ohne diesen Gedanken?

Interessanterweise ist die Antwort auf die ersten beiden Fragen entweder ein einfaches Ja  oder Nein. Oft passiert es nämlich, dass wir auf die erste Frage schon keine klare Antwort geben, sondern beginnen rechtfertigende Geschichte zu erzählen. Diese Tatsache ist sehr interessant wie ich finde, denn sie zeigt schon, wie der Geist funktioniert. Er weicht aus, verstrickt sich in neue Geschichten, in Rechtfertigungen und Verurteilungen. Schlicht: er ist verwirrt. 

Die vier Fragen helfen. Es gibt zahlreiche Geschichten in meinem Leben, die ich mit „The Work“ hinterfragt habe. Und siehe da, mir kam die Erkenntnis, dass vieles furchtbar eindimensional erzählt wurde,  dass das Gegenteil von vielen Glaubenssätzen, die meine Geschichten bestimmten, genauso wahr oder eigentlich viel wahrer ist. Und dieses Hinterfragen führte dazu, dass sich in meinem Geist auf einmal eine Tür auftat. Und hinter dieser Tür war ein freundlicher Raum und eine Wahrheit, die sich viel weiter und ehrlicher anfühlte, als alles Leid, das ich in meinem Leben in all diesen Geschichte angehäuft hatte. 

Diese Methode hat zum Beispiel geholfen, dass ich eine engere Beziehung zu meinen Kindern habe, weil ich meine Geschichten über sie ein Stück weit habe gehen lassen, weil ich sie mehr und mehr so sehe, wie sie sind und nicht, wie ich denke, wie sie sind oder wie ich sie gerne hätte. Diese Methode hat auch dazu geführt, dass ich für Geschehnisse in der Vergangenheit Verantwortung übernommen habe, weil ich gesehen habe, was mein Part war und wie die Opferrolle, die ich mir hin und wieder zugeschrieben habe, einfach nicht wahr war. Und auch, wenn es sich oft genug unangenehm anfühlt, „the Work“ zu machen, weil es doch so bequem und gewohnt ist, die Geschichten zu erzählen von der Fehlerhaftigkeit der anderen, mache ich weiter. Denn ich weiß, dass es diese Tür gibt und dass der Raum dahinter freundlich ist und dass dort meine Wahrheit wohnt. Die vier Fragen helfen, diese Tür zu öffnen. 

„Niemand kann dir Freiheit geben, nur du selbst“ – Byron Katie

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